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13.02.2026
Impulsbeitrag: Tradition? Ja. Aber bitte mit Mut.
Von Vanessa Holznagel
In sechs Tagen wird unser Verein 100 Jahre alt. Ein stolzes Alter. Ein runder Geburtstag, der nach Rückblick schreit – und nach Fragen. Als Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit und als junge, aktive Sportlerin, die seit Jahren viel Herzblut in diesen Verein steckt, habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich Tradition?
Was bedeutet Tradition eigentlich?
Bevor wir darüber reden, ob wir ein „Traditionsverein“ sind, lohnt sich ein Blick auf die Bedeutung des Wortes. Tradition meint Werte, Handlungen oder Gewohnheiten, die über Generationen bewusst weitergegeben werden. Tradition ist also nicht einfach „alt“.
Tradition entsteht dann, wenn viele Menschen über lange Zeit etwas als wertvoll empfinden und es deshalb weitertragen.
Traditionen geben Halt. Sie schaffen Identität, sie verbinden Menschen und bewahren Erfahrungen, die sich bewährt haben. Das alles ist wertvoll – wenn es lebendig bleibt.
Aber Tradition kann auch zur Bremse werden, wenn sie nur noch existiert, weil es immer so war. Wenn sie Veränderung blockiert. Wenn sie nicht mehr zu den Menschen passt, die heute Teil einer Gemeinschaft sind. Deshalb ist es wichtig, Traditionen nicht als starre Regeln zu sehen, sondern als etwas, das sich entwickeln darf.
Und ja: Man kann neue Traditionen schaffen.
Immer dann, wenn Menschen gemeinsam etwas Neues anfangen, das ihnen wichtig wird. Neue Angebote, neue Wege, neue Sportarten – auch das kann Tradition werden. Tradition ist nichts, das man nur erbt. Tradition ist etwas, das man gestaltet.
Tradition – ein schönes Wort, aber manchmal ein schwerer Rucksack
Bei uns hat sich über Jahrzehnte alles ums Wander‑ bzw. Tourenpaddeln gedreht. Das ist ein wichtiger Teil unserer Geschichte. Ein schöner Teil. Ein verbindender Teil. Und ja, es gab sogar mal einen Ausflug in den Rennsport – der aber schnell wieder verschwand. Vielleicht fehlte damals der Mut, dranzubleiben. Vielleicht auch die Vorstellungskraft, dass Veränderung kein Angriff auf das Alte ist. Denn das ist eines der größten Missverständnisse: Veränderung bedeutet nicht, Tradition abzuschaffen. Sie bedeutet, sie weiterzuentwickeln.
Kann man Tradition bewahren und trotzdem Neues wagen? Ich glaube: unbedingt.
Ich gehöre zu denen, die keine Angst vor Veränderungen haben. Fortschritt ist nicht immer bequem, aber er ist nötig – wenn ein Verein auch in Zukunft lebendig sein soll.
Ich habe in den letzten Jahren Projekte angestoßen, bei denen ich gespürt habe, wie stark Tradition auch als Bremse fungieren kann. Das war nicht immer einfach.
Der Outrigger, den wir über Spenden und eine Förderung finanzieren konnten – für viele ein Grund zur Freude, für manche ein Grund zur Frage: „Warum denn ein Outrigger?“
Meine Antwort: Weil Vielfalt unsere größte Stärke ist. Weil Zukunft nicht entsteht, wenn wir nur in alten Mustern denken.
Die erste Regatta in der Vereinsgeschichte – ausgerechnet für Ocean Sports.
Auch das wurde nicht von allen begeistert aufgenommen.
„Wir sind doch kein Rennsportverein“, hieß es.
Stimmt. Waren wir nicht. Aber wir sind es heute mit einigen Mitgliedern – und das ist gut so. Niemand verliert etwas dadurch, dass andere etwas dazubekommen.
Ocean Sports verdrängt das Tourenpaddeln nicht. Es ergänzt es. Es öffnet Türen. Es bringt neue Menschen, neue Motivation, neue Perspektiven.
Und es gibt viele, die das verstehen – zum Glück.
Es gibt Mitglieder und Menschen im Vorstand, die sehr genau wissen, warum Entwicklung wichtig ist. Die sehen, was Neues bewirken kann, und die mutig genug sind, Veränderung nicht als Risiko, sondern als Chance zu betrachten.
Von außen bekommen wir viel positives Feedback: dass unser einst ruhiger, fast schon verschlafener Verein wieder lebt. Dass Bewegung reingekommen ist – sportlich, organisatorisch und menschlich.
Diese Rückmeldungen zeigen mir, dass wir auf einem guten Weg sind. Und dass Veränderung nicht nur Reibung erzeugt, sondern auch Begeisterung.
Tradition ist nur dann wertvoll, wenn sie Platz macht für die Gegenwart
Ich selbst liebe den Ocean Sport – aber ich respektiere die „Tradition“ des Tourenpaddelns. Ich sammle meine Kilometer fürs Wanderfahrerabzeichen, nicht weil ich es brauche, sondern weil es dem Verein wichtig ist.
Ich paddel Touren mit, weil Gemeinschaft einer der ältesten und wertvollsten Bestandteile eines Vereins ist. Und gleichzeitig weiß ich: Verein wird heute anders gelebt als früher. Menschen haben andere Zeitmodelle, andere Prioritäten, andere Lebenswelten. Und das ist okay. Wirklich okay.
Wer regelmäßig da ist, gehört dazu – und wer seltener Zeit findet, ist genauso wertvoll. Gemeinschaft entsteht nicht nur im gemeinsamen Kilometerfressen, sondern auch in Haltung, Respekt und Miteinander.
In diesem Punkt bin ich vielleicht traditioneller, als manche glauben – und gleichzeitig habe ich viel Verständnis dafür, dass sich Vereinsleben verändert.
Doch Wertschätzung ist ein zweiseitiger Weg. Während ich die Traditionen respektiere, bekomme ich nicht immer dieselbe Offenheit für Neues zurück. Manchmal fühle ich mich eher wie ein Störfaktor, als wie jemand, der den Verein aktiv weiterbringt.
Ja, ich bin unbequem. Und das ist gut so.
Vereine sterben nicht durch Veränderung –
sie sterben durch Stillstand.
Nicht heute. Nicht morgen. Aber irgendwann ganz sicher.
Mut ist unbequem. Veränderung kostet Kraft. Widerstand gehört dazu. Aber wir haben heute im Verein eine Vielfalt, eine Dynamik, eine neue Sichtbarkeit, die es ohne diesen Mut nicht gäbe.
Und vielleicht – nur vielleicht – ist genau das der Beginn einer neuen Tradition:
Eine Tradition des Mutes. Des Ausprobierens. Des Weiterdenkens.
100 Jahre Vereinsgeschichte liegen hinter uns.
Die nächsten 100 beginnen jetzt.
Und ich wünsche mir, dass wir sie nicht nur verwalten –
sondern gestalten.
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